Seoul ist eine Stadt mit knapp zehn Millionen Einwohnern, von denen die meisten nicht auf Besichtigungstour sind. Sie gehen ins Badehaus, holen sich Mittagessen auf einem Markt oder sitzen abends am Fluss. Bei diesem Programm verbringen die Gäste fünf Tage in diesem Alltagsrhythmus, wohnen in einem Viertel und erkunden Seoul größtenteils zu Fuß.
Die Stunden, die bewusst frei bleiben
Drei Zeitblöcke der Reise bleiben frei – zwei Nachmittage und ein Abend. Das ist keine Lücke im Programm, sondern bewusst so geplant. Wenn der Nachmittag in den Abend übergeht, öffnen Geschäfte ihre Rollläden, vor Hauseingängen wird Essen angeboten und das Tempo in den Straßen des Viertels verändert sich. Am dritten Tag bleibt Zeit, eine eigene Lieblingsbäckerei oder eine Abkürzung durch das Viertel zu entdecken.
Tag eins ist kein Besichtigungstag
Der Ankunftstag ist bewusst leicht gehalten. Die Gäste treffen ihre Reiseleitung, erhalten eine bereits nutzbare T-money-Karte und einen von Hand markierten Plan des Viertels mit praktischen Orientierungspunkten wie Apotheke, spät geöffnetem Laden und einem ruhigen Rückweg zum Hotel. Danach folgt ein kurzer Spaziergang in der Umgebung. Am Abend führt der Weg zum Essen an der beleuchteten Westmauer des Gyeongbokgung vorbei. Schon vier Stunden nach der Landung haben die Gäste begonnen, sich das Viertel zu Fuß zu erschließen.
Zwei Paläste, dann direkt zurück ins Viertel
Ein Vormittag ist den Palästen gewidmet, weil der Kontrast sehenswert ist. Gyeongbokgung vermittelt königliche Macht in einer weitläufigen zeremoniellen Anlage. Changdeokgung bindet die Landschaft anders ein: Der hintere Garten folgt den vorhandenen Hügeln, die Pavillons sind in das Gelände eingebettet und der Zugang erfolgt zu festen Zeitfenstern. Für Reisende, die formale europäische Schlossgärten kennen, wird der Unterschied deutlich. Anschließend führt die Route zurück nach Seochon zu einem Mittagessen auf dem Markt und in die Straßen des Viertels.
Mittagessen selbst zusammenstellen
Auf dem Tongin Market wird Bargeld gegen Messingmarken getauscht, mit denen sich an teilnehmenden Ständen ein Tablett mit verschiedenen Gerichten zusammenstellen lässt. So wird aus dem Marktbesuch mehr als Zuschauen: Die Gäste wählen Gericht für Gericht selbst aus und setzen sich anschließend zum Essen.
Das Badehaus und der lange Nachmittag danach
Der dritte Vormittag steht im Zeichen eines lokalen Badehauses: warme Becken, ein Kaltwasserbecken und ein ausgiebiges Körperpeeling. Einiges wird europäischen Saunagästen vertraut vorkommen, anderes – gemeinschaftliche Ruhebereiche, Badehauskleidung, gekochte Eier und längere Ruhezeiten – ist typisch koreanisch. Der Nachmittag bleibt anschließend frei.
Abendessen am Han-Fluss
Am Abend sitzen die Gäste auf einer Wiese am Han-Fluss und lassen sich Essen in den Park liefern. Rundherum sind Paare auf Matten, Büroangestellte nach Feierabend und Kinder auf Fahrrädern. Es ist eine gewöhnliche Szene an einem warmen Abend am Fluss – direkt am Ufer statt von einem Aussichtspunkt.
Entlang der Mauer – und der letzte Umschlag
Am Inwangsan verläuft ein Abschnitt der Seoul City Wall, deren Bau 1396 begann. Das Programm nutzt eine leichte Route mit zwei Punkten, an denen Reisende umkehren können. Weiter oben lassen sich das Palastviertel, das Viertel rund um das Hotel und der Han-Fluss gleichzeitig überblicken. Am Abend ändert sich die Atmosphäre erneut in Euljiro: Nach Geschäftsschluss weichen Druckereien und Werkzeugläden Kunststoffhockern und Stahltischen; in der Gasse werden Pajeon und Makgeolli serviert. Der von Hand markierte Plan kommt für einen letzten Eintrag noch einmal auf den Tisch und wird anschließend für die Heimreise versiegelt.